Schon beim Eintreten in die Kunsthalle hören wir das laute Scheppern der aus Schrott zusammengefügte Skulptur des Künstlers Jean Tinguely (1925 – 1991). Er gehörte zu einer Gruppe junger Künstler*innen, die ab 1960 anfingen, mit Materialien zu arbeiten, die sie – anstatt im Laden für Künstlerbedarf – irgendwo auf Flohmärkten und auch in Abfalltonnen fanden, z.B. alte Rasierapparate, zerknüllte Stoffreste, kaputtes Kinderspielzeug, abgerissene Plakate und sogar benutztes Geschirr. „Nouveaux Réalistes“ – neue Realisten nannten sich diese Künstler*innen. In der direkten Auseinandersetzung mit der Realität entwickelten sie neue, oft radikale Ausdrucksformen. So hinterfragte Niki de Saint Phalle (1930-2002), die mit den Nouveaux Realistes befreundet war, mit ihren befremdlichen „Nanas“ die gesell-schaftlichen Normen, denen der weibliche Körper ausgesetzt war (und ist). Sie setzte damit einen wichtigen feministischen Akzent in der von männlichen Künstlerkollegen geprägten Gruppe. Die Mitglieder der „Nouveaux Réalistes“ griffen damals gesellschaftliche Themen auf, die auch heute noch wichtig sind: Konsum- und Wegwerfgesellschaft, das Verhältnis der Geschlechter, die schwierige Verbindung von Kunst und Leben. Diese Ausstellung bietet eine Fülle anregender Positionen, die wir zusammen erkunden wollen.
mit Dr. Dorothee Höfert, Kunsthistorikerin, Mannheim
Ort: in der Kunsthalle Mannheim – Anmeldung erforderlich
Kosten: 8€ (keine Ermäßigung möglich)