„Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte“, sagte Gottfried Benn 1952. „Ihre Themen waren jüdisch, ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes deutsch“ – so Benn weiter. Auch wenn nicht alle dieses Urteil teilten, so ist die jüdische Schriftstellerin sicher eine der schillerndsten Frauen der deutschen Literatur. Sie war keine, die sich anpasste. Die traditionelle Frauenrolle in der bürgerlichen Gesellschaft lehnte sie ab, was sie mit kurzen Haaren, weiten Hosen, bunten Gewändern und auffallendem Schmuck auch zeigte. So bunt ihre Erscheinung, so voller Höhen und Tiefen ihr Leben. Kaum ein privates Ereignis und kaum einer der zahlreichen Schicksalsschläge, die nicht Eingang in ihr Werk gefunden haben. Wahrscheinlich auch deshalb war es Lasker-Schüler möglich, tief religiöse Gedichte und Gebete zu schreiben. Mittellos und einsam starb die deutsche Jüdin am 22. Januar 1945 in ihrem Jerusalemer Exil, wo sie auf dem Ölberg begraben wurde.
mit Dr. Gertrud Rapp, Juristin i.R., lange engagiert im christlich-jüdischen Dialog, Vorsitzende der Akademie der Älteren Generation, Freiburg
Ort: Ökumenisches Bildungszentrum sanctclara, B5 19
Kosten: 4 € inkl. Getränke